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Rezension von www.leserkanone.de vom 05.08.2017

 

Die titelgebende Nummer 404 kennzeichnet die Tür eines Krankenzimmers, in der ein dreizehnjähriges Mädchen - Nele mit Namen - mit Leukämie im Endstadium liegt und auf den Tod wartet. Dem Gedanken an das Sterben soll die Kraft der Fantastie entgegentreten, und so verwandelt sich Nele in eine Silbermöwe, die rund um den Globus spektakuläre Abenteuer erlebt. Doch der Tod lässt sich nicht durch Gedanken vertreiben, das Ende bleibt weiter immer präsent. Und es droht besonders schnell zu kommen.

Normalerweise versuchen wir in unseren Buchbesprechungen den bloßen Unterhaltungsfaktor des jeweiligen Buchs zu erörtern, doch diese Herangehensweise verbietet sich bei einer Geschichte über ein im Sterben befindlichen Mädchen zwangsläufig. Unterhaltsam ist »404« nicht, und das will es auch nicht sein - »404« ist ein Roman über das Sterben, der ein Appell an das Leben ist, so widersinnig sich das vielleicht anhört. Freiberger versucht das Abstrakte des Todes zu normalisieren, versucht Sinn in dem Moment zu finden, in dem vieles eigentlich völlig sinnlos erscheint. Womit er sich selbst ein hehres Ziel gesteckt hat, bei dem es zwangsläufig ist, dass er nicht die ganze Strecke im Alleingang schaffen, sondern nur einen Beitrag leisten kann. Das gelingt ihm allerdings vorzüglich, »404« pirscht sich auf eine sehr ungewöhnliche Weise an das Sterbethema heran und schafft es durch kluge Gedanken, durch ungewöhnliche Ideen und durch ausgefallene Gespräche, das rote Tuch ein wenig beiseite zu ziehen. Und ganz nebenbei wird auch noch eine lesenswerte Geschichte erzählt.

 

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Kommentare: 8
  • #8

    Manfred Kaiser (Dienstag, 26 September 2017 09:56)

    Lieber Herr Freiberger,
    mein erster Eindruck, als ich „404“ in die Hand bekam: schwarzer Einband, auf der Rückseite gleich in der ersten Zeile die Erwähnung „eines Sterbezimmers“ – das wird keine leichte Lektüre …
    Aber dann fiel mein Blick vorn oben auf die Möwe, und ich war wieder zuversichtlich – genau wie Nele nach der Verzweiflung am Anfang ihrer tragischen Krankengeschichte. Meine Lieblings-Passagen sind folgende: Natürlich die „Frosch-Parabel“ (S. 70); die Reaktion des bettlägerigen Mädchens auf dem ersten imaginären Flug: „ein paar neugierige Ameisen“ (S. 91) – und natürlich die Gedichte, die eine willkommene Abwechslung sind und die düsteren Gedanken unterbrechen. Besonders „Der Traum vom Baum“ hat mir gefallen, auch weil ich schon immer die Erhabenheit großer Bäume bewundert habe (lange bevor Peter Wohlleben einen Beststeller nach dem anderen darüber veröffentlicht hatte).
    Am 14.11. sind wir wieder im Scala Kulturspielhaus. Die Veranstaltungs-Serie „Literatur im kleinen Salon“ (s. Anlage) gibt mir Gelegenheit, Ihr Buch vorzustellen. Ich hoffe, einige Leserinnen und Leser für „404“ zu gewinnen.

  • #7

    Petra Meyer (Mittwoch, 16 August 2017 16:22)

    Hallo Herr Freiberger !
    Habe ihr Buch gelesen .Für mich war klar das Buch hat kein gutes Ende . 
    Alles kam ganz anders . Ich bin froh das ,das Ende gut ausgegangen ist . 
    Trotzdem macht es mich nachdenklich . Man sollte im Leben niemals auf-
    geben . Leicht gesagt :ich bin ja nicht krank. Die Möwe kann man auch in anderen 
    Lebens-Situationen einsetzen . Ihre Gedichte sind sehr passend und schön .
     
    Einen schönen Abend bis Donnerstag
    Petra Meyer  

  • #6

    Maxim (Mittwoch, 16 August 2017 14:08)

    Das finde ich auch! :-)

  • #5

    Shopinee (Dienstag, 01 November 2016 07:35)

    Hallo Herr FreiIberer,

    Ich hab mir das Buch "Anindos 134. Leben" durch gelesen. Ein sehr schönes Buch und
    sehr bildlich geschrieben. Es hat Spaß gemacht es zu lesen. Ich komme selbst aus Sri Lanka und war sehr beeindruckt wie sie die Meschen und ihre Lebenssituation beschrieben haben.

    TOLLES Buch!

  • #4

    Liane Lauer (Mittwoch, 20 Juli 2016 20:47)

    Lieber Rolf,

    ich freue mich sehr für dich, dass du nach deinem Berufsleben eine so sinnvolle und schöne Aufgabe gefunden hast. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg und viele schöne Momente.

    Deine Ex-Kollegin Liane

  • #3

    Manfred Kaiser (Mittwoch, 11 Mai 2016 16:57)

    Anmerkungen zu "Ich muss mal telefonieren"
    Schon die geglückte Umschlaggestaltung weckt Erwartungen, die genau zum folgenden Text passen: Der Schriftzug auf dem vorderen Deckblatt ist zwar leserlich, hat aber keine geraden Linien und zerfließt vor einem diffusen und wolkigen Hintergrund. Diese Unschärfe und Ungewissheit prägt den gesamten Inhalt. Der kurze Zeitabschnitt im Leben der beteiligten Personen schwankt zwischen Traum und Realität, Wahn und Einsicht, Schlaf und Wachen, Vergangenheit und Gegenwart, Gesundheit und Krankheit, Leben und Tod, Fesselung und Mobilität, Gefahr und friedvoller Ruhe, sogar bei den Nebenfiguren (der Tochter, S. 6).
    Diese Zwiespältigkeit bezieht sich sogar auf die Sprache (Deutsch/Englisch) und die Textform: sachlich, informativ im Prolog - aber lyrisch und emotional in der "Erinnerung" am Schluss.
    Weniger als eine Stunde dauert die Lektüre dieser "wahren Geschichte", aber nachgedacht habe ich darüber noch tagelang. Meine "Erinnerung" ging dabei zurück an meine Grundschulzeit: Damals - als "Demenz" noch ein unbekannter Begriff war, konnte ich noch nicht begreifen, was mit meiner Großmutter geschah. Sie wurde von meiner Tante versorgt, die liebevoll aber völlig überfordert war - ohne Helfer, mit denen sie "mal telefonieren" konnte. Heute habe ich für manche Ereignisse im Alltag meiner Verwandten mehr Verständnis - auch Dank Rolf Freibergers Schilderung.

  • #2

    Manfred Kaiser (Mittwoch, 27 April 2016 18:29)

    Lieber Herr Freiberger,
    nach Ihrer Lesung gestern im Café Minchen sind mir noch einige Gedanken zu "Anindos 134. Leben" durch den Kopf gegangen.
    Mir kam ein Aphorismus in den Sinn: "Ein Buch, das es nicht wert ist, zweimal gelesen zu werden, ist auch nicht einmal lesenswert" (Karl Julius Weber). Deshalb habe ich mir Ihr Buch nochmal vorgenommen und Kapitel 10 wieder gelesen, das mich besonders berührt hat. Die Zeit für Ihre Lesung war zu kurz, um auch darüber zu reden. Aber ich finde, die Weisheit des Mönches (S. 80f) könnte auch für Menschen - weit entfernt von einer Tsunami-Gefahr - ein Trost sein.
    Ob solche Abschnitte wohl auch in Ihren anderen Büchern zu finden sind?
    Mit erwartungsvollen Grüßen
    Ihr Manfred Kaiser vom Lesekreis Rotkehlchen in Wesel

  • #1

    Dorothea Münnich (Donnerstag, 14 April 2016 09:18)

    Hallo Herr Freiberger,
    vielen Dank für die liebevollen und freundlichen Worte zu unserer Internetseite und besonders natürlich für die Verlinkung. :-)
    Ich freue mich schon auf die Lesung am 26.04.2016 im Cafe Minchen.
    Herzliche Grüße
    Dorothea Münnich
    Literaturkreis Rotkehlchen


Die folgende Rezension wurde bei Amazon geschrieben:

 

"... und mich durch ein Schlüsselloch sehend Dinge erfahren lassen, die ich nicht für möglich gehalten hätte." Rolf Freiberger

 

am 17. Mai 2016
Rolf Freiberger war zwei Wochen Bettnachbar eines Alzheimer-Patienten.

Objektiv und sehr beobachtend beschreibt er diese Zeit, seine Erfahrungen und seine Gefühle. Dieses Buch ist sehr lesenswert, da es uns die Angst vor schwierigen Begenungen während eines Krankenhausaufenthaltes mit dem Menschen, mit dem man sich ein Zimmer teilt, nimmt.

"Es tut weh, zuzusehen, wie dieser gebildete Mensch an Kleinigkeiten scheitert." Seite 19

"Nahezu kein Mensch ist als Gesprächspartner wertlos. Jeder, ob jung oder alt, arm oder reich, gesund oder krank, bereichert den immensen Schatz an Sinneseindrücken durch das gesprochene Wort und die damit verbundenen Emotionen. Menschen wie Werner sind eine ungleich größere Bereicherung und dieser Eindruck entsteht bereits nach wenigen Sätzen." Seite 38